Geschichte der Böhme-Orgel in Langendorf (b.Zeitz)

Der Orgelbauer Johann Michael Böhme fertigte im Jahre 1820 einen zeichnerischen Entwurf zum Bau einer Orgel in Langendorf an. Diese Zeichnung existiert noch im Ephoralarchiv. Mit dem Bau der Orgel wurde 1821 begonnen. Der Bau der Orgel wurde von Johann Michael Böhme ausgeführt. Die Einweihung der Orgel fand am Sonntag Jubilate, dem 28.April 1822, statt. Zur Einweihung spielte die Orgel der damalige Kantor und Schulmeister Kober. Das Gedicht, das Kantor Kober anläßlich der Orgelweihe zur Weise:Wie schön leuchtet der Morgenstern. verfaßt hat ist im Archiv erhalten geblieben. Eine förmliche Abnahme der Orgel durch den dafür zuständigen Musikdirektor Werner ist wegen Erkrankung des Musikdirektors nie erfolgt. Musikdirektor Werner hatte die Orge1bauer Böhme selbst empfohlen

für den Bau der Orgel in Langendorf und vollstes Vertrauen in die Qualität ihrer Arbeit.

Im ersten Weltkrieg wurden die Prospektpfeifen, und die Metallbecher der Trompete zur Metallsammlung abgeliefert und der Prospekt mit schwarzen Tüchern zugehängt. In den 20er Jahren wurden die Prospektpfeifen aus Zink angefertigt und man hat erstaunlicherweise sich an die alten Mensuren gehalten, aber nicht in der Bauart und Intonation.

In den 20er Jahren wollte man die Disposition der Orgel ändern und hat versucht aus dem Register Quintatöna 16 Fuß ein Bordun 16 Fuß zu machen, was aber glücklicherweise nicht ging. Die Posaune 16 Fuß scheint damals schon lange nicht mehr funktionstüchtig gewesen sein.

In den 50er Jahren war die Orgel vom Holzwurm stark befallen und nicht mehr spielbar. Die Langendorfer Böhme Orgel sollte abgerissen und durch ein billiges, schlechtes kleines Orgelwerk mit pneumatischer Traktur, aus einem durch die Braunkohle abgerissenen Ort (Wuitz) ersetzt werden. (Diese Wunderwerk von Ladegast ist in der Reudener Kirche zu bewundern.)

Mein Vater, Walter Krause kam 1955 nach Langendorf und hat diesen Frevel verhindert.

Er überzeugte die Kirchenältesten, daß die Schäden durch den Holzwurm zwar groß, aber reparabel sind. Mein Vater setzte durch , daß die Orgel durch die Orgelbaufirma Heinze aus Stadtilm repariert wurde. Das Geld reichte nur zu einer Spielbarmachung der meisten Register aus. Mein Vater stellte die Reste der Holzpfeifen von Registern ,die dem Holzwurm zum Opfer gefallen waren sicher, damit eine spätere Restauration möglich war.

Seit 1974 wurden Verhandlungen geführt wegen Restauration der Orgel. Mit dem Orge1baumeister Herrn Kühn aus Merseburg konnte 1988 der Vertrag abgeschlossen werden, welcher 1988 ergänzt wurde. Die Restauration beinhaltete den stufenweisen Ausbau des gesamten Orgelwerkes, außer Gehäuse und Gestell, Reparieren der Pfeifen, Neubau der Prospektpfeifen sowie fehlender und defekter Innenpfeifen, Überholung der Windladen, der gesamten Spiel-und Registermechanik, der 3 Keilbälge und der Manualklaviaturen, sowie Neubau einer Pedalklaviatur in Anlehnung an die 1957 entfernte orginale Pedalklaviatur. Die Traktur wird zurückgehangen, die Stimmtonhöhe wiederhergestellt und ein dem originalen gleichkommender Winddruck verwendet, auch wird ein neues GebIäse eingebaut. Das Oberwerk wurde 1982 ausgebaut, in Merseburg überholt, und wurde seit dem 01.07.1988 von Mitarbeitern der Orgelbaufirma Kühn wieder eingebaut. Das gesamte Hauptwerk wurde gleichzeitig demontiert, verpackt, und wurde in der Werkstatt restauriert . Mit Schwierigkeiten verbunden ist die Restauration des Trompetenregisters im Hauptwerk und des Posaunenregisters im Pedal.Diese Arbeiten konnten bei der letzten Instandsetzung der Orgel im Jahre 1957 nicht berücksichtigt werden.Es wurde lediglich der Verfall der Orgel gestoppt Und die notwendigen Arbeiten durchgeführt. Eine wesentliche Erleichterung, stellte aber damals der Einbau des Elektrogebläses dar. Es wurden damals von 25 Registern 22 Register der Orgel spielbar gemacht. Die Kosten der Restauration sollten ca. 60 TM (Angabe 1988) betragen, weil sehr viele Arbeiten nur in mühevoller handwerklicher Kleinarbeit erledigt werden können. Durch die Währungsunion sind die Kosten explodiert, so daß sie über 80 TM betragen haben ohne das die Register Trompete 8 Fuß und Posaune 16 Fuß.

wiederhergestellt werden konnten. Der vorläufige Abschluß der Restauration erfolgte 1992 . Die Orgel wurde mit vier Orgelkonzerten wieder eingeweiht. Ich habe alle Konzerte in Kunstkopftechnik aufgezeichnet. 1988 habe ich, weil es überhaupt nicht feststand ob die Register Trompete und Posaune jemals funktionierten und eine Rekonstruktion möglich ist selbst die Mensuren vermessen. Das Register Posaune habe ich mit Hilfe eines befreundeten Orgelbauers selbst zum klingen mit dem vorhandenen Material gebracht. Es wußte vorher niemand wie die Posaune geklungen hat und es gab auch keine Beispiele einer vergleichbaren Orgel. Die Berechnung der fehlenden Becher nach den üblichen Formeln versagte bei dieser Posaune vollständig, weil sie offensichtlich durch Versuche ermittelt wurden.

08.09.2016 Johannes Krause (Langendorf)